Psychodrama

Psychodrama ist ein psychologisches Verfahren zur Lösung von zwischenmenschlichen und innerseelischen Konflikten. Es ist dem Rollenspiel sehr ähnlich und findet in der Regel in Gruppen von 6 bis 12 Personen statt. Das Wort “Drama” ist nicht mit der Alltagsbedeutung “dramatisch” zu verwechseln. Es meint viel mehr das (Schau- bzw. Theater-) “Spiel”.

Auf einer “Bühne” findet eine Art Rollenspiel statt. Der Einzelne bekommt Raum und Möglichkeit, seine Situation (z. B. Konfliktsituation) auf der Bühne darzustellen, neue Verhaltensweisen spielerisch auszuprobieren und zu erproben. Im Psychodrama werden andere Lösungswege erarbeitet. Der Einzelne erhält mehr Handlungsspielraum.

Möchte ein Gruppenmitglied einen bestimmten Konflikt z. B. Arbeitsplatzkonflikt für sich besser lösen, dann bringt er seine Konfliktsituation in die Gruppe ein und stellt diesen Konflikt auf der “Bühne” theaterähnlich dar. In der Fachsprache wird er auch als Protagonist (Schauspieler) bezeichnet. Im Psychodrama wird bewusst eine Bühne aufgebaut. Sie gibt dem Protagonisten Raum, seine Szenen aus Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft zu spielen. Er kann dabei aber auch seine Träume, Ängste und Phantasien spielen. Beim Aufbau der Bühne und beim Spielen wird er von einem Spielleiter geleitet und geführt. Gleichzeitig gibt er aber auch Regieanweisung an seine Gruppenmitglieder, die für ihn in bestimmte Rollen schlüpfen. Unter anderem wird ein Gruppenmitglied ihn spielen. Damit hat er zwischendurch immer wieder die Möglichkeit, das “Bühnenstück” von außen anzuschauen und aus einer distanzierten Haltung die Situation wahrzunehmen und ggf. auch die Situation anders zu gestalten. Er kann auch einfach mal einen Wunschzustand spielen und prüfen, ob er wirklich diesen Wunschzustand so haben möchte.

Im Psychodrama wird das Hineinversetzen in andere Personen sehr geübt. Mit dem Übernehmen von verschiedenen Rollen bekommt der Einzelne mehr Zugang zu anderen Verhaltensweisen und kann spielerischer zwischen verschiedenen Verhaltensweisen wählen. Er wird insgesamt kreativer und kann spontaner andere Verhaltensweisen auch im Alltag einsetzen.

Der Begründer des Psychodramas ist der Wiener Jacob Levy Moreno (1890 – 1974). Er entwickelte in den 20er Jahren diese Form. 1925 emigrierte Moreno in die USA und gründete in den 30er Jahren Psychodrama-Theater und Ausbildungsinstitute.

Moreno war unter anderem auch ein wichtiger Pionier in der Gruppenforschung. Er erforschte Gruppenverhalten und Gruppendynamik. Er entwickelte soziometrische Methoden wie z. B. das Soziogramm. Im Soziogramm werden Gruppenbeziehungen graphisch, mit Symbolen (verfügbare Gegenstände) oder anwesenden Personen dargestellt, so dass man einen Einblick über das Beziehungsgefüge und über die Zusammenhänge erhält.

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